Wüstenrose Fachstelle Zwangsheirat / FGM

Grundlagen

Die Angebote von Wüstenrose sind kostenfrei. Die Inanspruchnahme ist grundsätzlich freiwillig.

 

• Wüstenrose steht allen Mädchen, Frauen, Jungen und jungen Männern offen, unabhängig von ihrer kultureller, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit oder sexueller Identität und unabhängig von körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.

• Ebenso willkommen sind Angehörige und Bezugspersonen von Betroffenen sowie Fachkräfte, die in ihrer Arbeit mit den Themen Zwangsverheiratung oder / und FGM konfrontiert sind.

 

Anonymität und Schweigepflicht:

 

• Wir stehen unter Schweigepflicht. Unsere Schweigepflicht endet bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung und unter bestimmten Bedingungen auch bei Kindeswohlgefährdung.

• Zu Zwecken der Qualitätssicherung behalten wir uns vor über Beratungsverläufe in der Supervision und Intervision zu reflektieren.

• Die Anonymität der Ratsuchenden wird auf Wunsch gewahrt.

 

Ziele:

 

• Von Zwangsheirat/ Gewalt "im Namen der Ehre" und / oder FGM Betroffene erleben bei Wüstenrose eine parteiliche Beratung und Unterstützung.

• Ziel unserer Arbeit ist es tragfähige Beziehungen zu den Betroffenen aufzubauen Sie erhalten je nach ihrer Situation wichtige rechtliche, medizinische und andere Informationen, die sie für die Planung ihrer nächster Schritte benötigen.

• Die Ratsuchenden erweitern ihr Spektrum von Handlungsstrategien. Auch in schwierigen Situationen kennen sie ihre Ressourcen und Fähigkeiten und können diese vermehrt nutzen.

• Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte sind sensibilisiert und informiert zu den Themen Zwangsheirat/Gewalt "im Namen der Ehre" sowie zu FGM. Sie sind in die Lage adäquat mit den Betroffenen umzugehen, geeignete Interventionen zu planen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen einzuleiten.

 

Arbeitsweise:

 

• Unsere Angebote sind niedrigschwellig angelegt. Wir bemühen uns um eine zügige Terminvergabe. In akuten Krisen muss selbstverständlich sofort gehandelt werden.

• Unsere Arbeit basiert auf einem parteilichen Arbeitsansatz. Wir sind einem humanistischen Menschenbild verpflichtet.

• Minderjährige können sich elternunabhängig beraten lassen.

• Das Aufwachsen im Spannungsfeld mehrerer Kulturen kann auf der individuellen Ebene zu erheblichen Konflikten führen, die wir – auch vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Prozesse – reflektieren und thematisieren.

• Uns ist die große Vielfalt der Lebenswirklichkeiten unserer Ratsuchenden bewusst. Wir sind sensibilisiert für unterschiedliche kulturelle Hintergründe der Betroffenen, ohne dass wir komplexe Problemlagen auf die kulturellen Aspekte reduzieren.

• Im Sinne der Ganzheitlichkeit orientiert sich unsere Arbeit an allen Aspekten der Persönlichkeit der Ratsuchenden, ihren Lebenszusammenhängen und ihrer Lebensgeschichte.

• Wir schärfen den Blick für die Gewaltbetroffenheit von Ratsuchenden und deren Folgen. Die jungen Menschen können sehr unterschiedlich abgestuften Formen von psychischem Druck, über Drohungen verschiedener Art, anderen Gewalthandlungen bis hin zu Mordandrohungen ausgesetzt sein.

• Eine Sensibilität für spezifische Lebenslagen von Ratsuchenden mit Beeinträchtigungen oder mit lesbischer/schwuler/transgender/intersexueller Lebensweise ist uns ein Anliegen.

• Unsere Grundhaltung ist von Akzeptanz und Wertschätzung geprägt. Unsere Beratung und unser pädagogisches Handeln basiert auf Transparenz und einer am Prozess orientierten Arbeitsweise.

• Bei Kindeswohlgefährdung treffen wir aufgrund der Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft nach §8a SGB VIII eine angemessene Entscheidung bezüglich des Vorgehens.

 

Rechtliche Grundlagen:

 

Rechtliche Grundlage der Angebote sind Kinder- und Jugendhilfegesetz KJHG §74 i.V.m. §§1,2, 3, 4, 8, 8a, 9, 13 (1), 28, 41 SGB VIII.

 

Folgende Stadtratsbeschlüsse bilden die Grundlage unserer Arbeit:

 

• Leitlinien für geschlechtsspezifische differenzierte Kinder- und Jugendhilfe

• Leitlinien für eine interkulturell orientierte Kinder- und Jugendhilfe

• Leitlinien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung

• Stadtratsbeschluss vom 9.10.2012: „Schaffung einer Fach- und Anlaufstelle zur Verhinderung von Zwangsheirat in München“