Lesbische und bisexuelle Mädchen und junge Frauen

Informationen für Eltern und MultiplikatorInnen

Die Lebenssituation von lesbischen und schwulen Jugendlichen

 

Lesbische und schwule Jugendliche erleben, zumeist schon in ihrer frühen Jugend, dass sie von einem großen Teil der Gesellschaft abgelehnt werden. Leider nicht selten gar von ihren eigenen Eltern, Geschwistern, MitschülerInnen oder LehrerInnen. Solche Erfahrungen gehen an den Jugendlichen oft nicht spurlos vorbei und sie geraten vor und während ihres Coming outs in eine tiefe Lebenskrise. Hierzu muss deutlich erwähnt werden, dass die krisenhaften Situationen und die folgend dargestellten Problemlagen nicht durch die Homosexualität an sich verursacht werden. Vielmehr bewirken dies die eigenen (berechtigten) Ängste, Erfahrungen mit den Reaktionen des Umfeldes (Elternhaus, Gleichaltrige, Schule) und die gesellschaftliche Bewertung von Homosexualität.

 

Das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren ist vier- bis siebenmal höher, als das von Jugendlichen im Allgemeinen. Deutlich ansteigend ist das Suizidrisiko, je jünger die Jugendlichen bei ihrem Coming Out sind.
Laut der Studie des Berliner Senats „Sie liebt sie. Er liebt ihn.“ haben sechs von zehn Befragten schon einmal daran gedacht, ihrem Leben ein Ende zu setzen, die Mädchen etwas häufiger als die Jungen. 18% haben bereits einen oder mehrere Suizidversuche hinter sich. Die Erfahrung zeigt, dass das Risiko eines späteren Suizides mit der Anzahl vorausgegangener Suizidversuche steigt.

 

Häufig werden lesbische und schwule Jugendliche von zuhause rausgeworfen, wenn sie sich ihren Eltern anvertrauen - auch heute noch.
Etwa 4% der lesbischen und schwulen Teenager werden von zuhause rausgeworfen, wenn sie sich outen und sind mit dieser Problematik somit signifikant häufig konfrontiert.
Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der erhöhten Anzahl der Rauswürfe auch ein erhöhter Anteil der Jugendlichen, die auf der Straße leben, aufgrund ihres Lesbisch-/Schwulseins dazu gekommen sind. Studien über diese Thematik gibt es bislang nicht.
Mit Weglaufen von zuhause reagieren 8% der Jungen und 15% der Mädchen auf psychischen Druck im Elternhaus.

 

Essstörungen sind bei lesbischen Mädchen und zunehmend bei schwulen Jungen ein weit verbreitetes Phänomen.
Durch den auf ihnen liegenden psychischen Druck, reagieren lesbische Mädchen und schwule Jungen zunehmend mit Essstörungen. Nahezu jede 10. lesbische Jugendliche beschreibt dieses Phänomen.

 

Sich in Familie und Schule zu outen ist ein erheblicher Stressfaktor und mit Risiken verbunden. Mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen mussten/ müssen aufgrund ihrer Homosexualität mit größeren Belastungen fertig werden, als andere gleichaltrige Jugendliche. Nur etwa 1% aller lesbischen und schwulen Jugendlichen gibt an, noch nicht diskriminiert worden zu sein.

 

Die Reaktionen ihrer Umwelt werden von den Jugendlichen schon vor ihrem Coming out antizipiert und sorgen für einen konstant hohen Stresspegel. Auch wenn das eigene Coming out gut verläuft, gehen diesem somit Monate und Jahre der Selbstzweifel, der Angst und der Unsicherheit voraus.

 

Lesbische und schwule Jugendliche leiden, aufgrund von massiven Diskriminierungserlebnissen, überdurchschnittlich häufig an Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

 

Lesbische und schwule Jugendliche reagieren auf anhaltende Diskriminierung alarmierend häufig mit Suchtmittelmissbrauch.
Fast zwei Drittel der lesbischen und 44% der schwulen Jugendlichen haben schon einmal mit Alkohol oder Drogen auf auftretende Coming out Probleme reagiert. Medikamentenmissbrauch geben 2% der befragten Jugendlichen von Untersuchungen an. Die Dunkelziffer hierbei wird vermutlich, aufgrund des gesellschaftlichen und rechtlichen Tabus, wesentlich höher ausfallen.

 

Einsamkeit und mangelnde Gesprächspartner stehen mit Abstand auf Platz 1 in der Rangliste von Problemlagen lesbischer und schwuler Jugendlicher.
Die Angst von den Freunden, von den eigenen Eltern und Geschwistern, von der gesamten Umwelt abgelehnt zu werden, lässt lesbische und schwule Jugendliche vereinsamen.
Mehr als ein Drittel der jungen Lesben und Schwulen geben an, durch ihr Coming out FreundInnen verloren zu haben. Die 18-21 jährigen sind sogar überdurchschnittlich von Verlusten sozialer Kontakte betroffen (40,6%). Die Hälfte der Jugendlichen finden nach dem Coming out neue Freunde, jedoch gibt es eine längere Phase der Isolation, bevor der Verlust von Freundschaften kompensiert werden kann. Die andere Hälfte jedoch verliert Freundschaften, ohne neue hinzu gewinnen zu können.

 

Die Daten und Informationen wurden entnommen:
http://www.coming-out-day.de/informationen/lebenssituationen.html

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