Presse

Gegen Diskriminierung

Die Initiative IMMA will lesbisches Leben sichtbar machen

Süddeutsche Zeitung, 8./9. Januar 2011

 

Von Sven Loerzer

 

München – Die Initiative für Münchener Mädchen (IMMA) beschäftigt sich verstärkt mit lesbischen jungen Frauen. Sie will damit ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen und zugleich lesbisches Leben sichtbar machen, um so zum Abbau von Vorurteilen beizutragen. Schätzungen zufolge sind etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung lesbisch oder schwul. „Gerade Homosexuelle Jugendliche sind mit Diskriminierung und den Ängsten davor besonders konfrontiert“, sagt IMMA-Fachleiterin Sabine Wieninger.

So sei die Suizidgefährdung vier Mal höher als bei heterosexuellen Jugendlichen, wie eine Studie in Berlin bereits 2001 ergeben habe. Viele litten unter Einsamkeit und Problemen mit den Eltern, hätten aber niemanden, mit dem sie über ihre Gefühle sprechen können. Zwei Drittel der Jugendlichen reagierten mit Alkohol und Drogenmissbrauch. Jungen Frauen falle es oft schwer, sich mit einem lesbischen Lebenswurf nach außen zu trauen, weil sie die Homophobie soweit verinnerlicht haben, dass sie selbst den Vorurteilen glauben. Etwa dem Klischee: „ Die ist viel zu hübsch, um lesbisch zu sein.“

Ohnehin outen sich Mädchen zumeist erst im Alter von 16 bis 19 Jahren und damit erheblich später als Jungen (14 bis 17 Jahre). „Mädchen versuchen das länger mit sich selbst auszumachen“, sagt Wieninger. Ob, wann und gegenüber wem sie sich outen, sei allein die Entscheidung der jungen Frauen, betont Wieninger. Die Reaktionen darauf aber habe man nicht in der Hand. Und wer sich oute, erlebe, „dass er sich ständig erklären und verteidigen muss“ und sehr stark auf die sexuelle Orientierung reduziert werde. Da kommen dann Fragen wie „Wer ist bei euch der Mann?“ oder „Fehlt dir da nicht etwas?“ und beleidigende Bemerkungen, die das Selbstwertgefühl angreifen können. IMMA unterstützt und begleitet junge Lesben in Comming-Out durch Einzelberatung und angeleitete Gruppen. Dazu gibt es im IMMA-Café an der Jahnstraße 38 ein offenes Angebot: Jeweils donnerstags von 18 bis 22.30 Uhr trifft sich die Gruppe „JuLeZ“ (Junge Lesben bei Zora, www.julez-muenchen.de), die Schulferien ausgenommen. Zwei Sozialpädagoginnen von IMMA bieten an den Abenden Beratung und Unterstützung. Im Schnitt kommen etwa 15 Frauen im Alter zwischen 16 und 27 Jahre, die meisten sind 20 Jahre oder älter. Film- und Spielabende, Vorträge zu Homophobie oder Kinderwunsch schaffen einen lockeren Rahmen, in dem für die jungen Frauen die Möglichkeit besteht, sich zur Einzelberatung zurückzuziehen, um Probleme in der Schule, im Elternhaus oder auch am Arbeitsplatz zu besprechen. “Wir nehmen auch Kontakt zu den Eltern auf, wenn es junge Frauen wünschen“, sagt Sabine Wieninger. Neben Eltern, die den Kontakt zu ihrer Tochter abrechen, gebe es auch jene, die sich bei IMMA informieren und dabei feststellen, dass es sich keineswegs um eine „zwielichtige Örtlichkeit“ handelt, deren Besuch sie der Tochter aus Angst und Unkenntnis verboten haben.